Upgrade im Weinberg? Geht das?

Upgrade im Weinberg? Geht das?

Die Winterruhe im Weinberg Sie lesen Upgrade im Weinberg? Geht das? 3 Minuten

Grünveredelung, oder auch Standortveredlung, ist eine spezielle Methode um alte Weinreben nachträglich umzuveredeln. Also zum Beispiel aus einer Rotweinrebe eine Weißweinrebe oder auch eine resistente, zukunftsfähige Rebsorte zu machen. Und dies direkt an der Rebe, im Weinberg, ohne diesen zu roden oder neu zu bepflanzen. Eine schnelle, effiziente Möglichkeit, vor allem in der Steillage, mit wenig Ertragsausfall einen Weinberg zukunftsfähig zu machen.

Im Lembergerland haben sich 20 Wengerter zusammengefunden und vorbereitet um Ihre Reben, zum Beispiel von Trollinger auf Zukunftsreben wie Souvignon Gris umzuveredeln.

Wie funktioniert das Grünveredeln? Angewendet wird das Okkulationsverfahren oder auch Chip-Budding-Verfahren genannt. Hier eine kurzer Überblick und Beschreibung des Verfahrens:

Vorbereitung der Unterlage, also des alten Rebstockes: Zunächst werden die gesunden und kräftigen Rebstöcke ausgewählt, die als Unterlagen dienen sollen. Anschließend wird an diesen Rebstöcken ein T-förmiger Schnitt in die Rinde gemacht, etwa auf halber Höhe des Stammes.

 

Vorbereitung des Pflanzenmaterials: Als nächstes werden die Ein-Augen-Chips vorbereitet. Dazu werden kleine Stücke aus einem einjährigen Rebtrieb, mit einem Auge (Knospe) von der gewünschten Rebsorte abgeschnitten.

 

 

Einsetzen der Chips: Die vorbereiteten Chips werden dann in den T-Schnitt in der Rinde des Rebstamms eingesetzt. Der Chip wird so platziert, dass das Auge nach außen zeigt und die Rinde des Chips mit der Rinde des Stammes gut verbunden ist.

Fixierung: Nachdem die Chips eingesetzt wurden, werden sie mit Bast oder einem anderen geeigneten Material fest am Stamm befestigt, um sicherzustellen, dass sie an Ort und Stelle bleiben und eine gute Verbindung hergestellt wird.

 

Wachstum und Pflege: Nachdem die Chips erfolgreich eingepfropft wurden, beginnen sie zu wachsen und sich mit dem Stamm zu verbinden. Es ist wichtig, die gepfropften Pflanzen sorgfältig zu pflegen und zu überwachen, um sicherzustellen, dass sie gut anwachsen.

Hört sich einfach an, jedoch gehört dazu viel Erfahrung und vor allem jede Menge Fingerspitzengefühl für die Rebstöcke. 

Alles gut angewachsen. Rebstock, mehrere Monate nach der Grünveredlung.

So ist das Chip-Budding-Verfahren eine effektive Methode zur Grünveredelung, vor allem natürlich bei uns im Steillagenkollektiv, im terrassierten Weinbau. Hier ist die Rodung, also die Entfernung der Reben und der Rebwurzeln, die Neupflanzung mit dem Ausheben der Pflanzlöcher und das Angießen besonders aufwändig und harte Arbeit, da kein Maschineneinsatz möglich ist. Zu dem sind neu gepflanzte Reben sehr anfällig gegenüber Trockenheit und müssen bei Bedarf bewässert werden können. Auch hier sind wir in den Terrassen sehr eingeschränkt. Die „alten“ Reben haben ein großes und belastbares Wurzelwerk. So haben unsere Wengerter eine gute Möglichkeit die Zukunftsfähigkeit der Kulturlandschaft mit neuen und robusten Rebsorten auf den bestehenden Rebstöcken zu verbessern.

Veredlungsstelle und Rebschnitt nach einem Jahr.

Wir haben natürlich einen passenden Wein für das Reben-Upgrade, einen trockenen NOVUM Souvignier Gris.