Upgrade im Weinberg? Geht das?
Grünveredelung

Upgrade im Weinberg? Geht das?

Grünveredelung, oder auch Standortveredlung, ist eine spezielle Methode um alte Weinreben nachträglich umzuveredeln. Also zum Beispiel aus einer Rotweinrebe eine Weißweinrebe oder auch eine resistente, zukunftsfähige Rebsorte zu machen. Und dies direkt an der Rebe, im Weinberg, ohne diesen zu roden oder neu zu bepflanzen. Eine schnelle, effiziente Möglichkeit, vor allem in der Steillage, mit wenig Ertragsausfall einen Weinberg zukunftsfähig zu machen. Im Lembergerland haben sich 20 Wengerter zusammengefunden und vorbereitet um Ihre Reben, zum Beispiel von Trollinger auf Zukunftsreben wie Souvignon Gris umzuveredeln. Wie funktioniert das Grünveredeln? Angewendet wird das Okkulationsverfahren oder auch Chip-Budding-Verfahren genannt. Hier eine kurzer Überblick und Beschreibung des Verfahrens: Vorbereitung der Unterlage, also des alten Rebstockes: Zunächst werden die gesunden und kräftigen Rebstöcke ausgewählt, die als Unterlagen dienen sollen. Anschließend wird an diesen Rebstöcken ein T-förmiger Schnitt in die Rinde gemacht, etwa auf halber Höhe des Stammes.   Vorbereitung des Pflanzenmaterials: Als nächstes werden die Ein-Augen-Chips vorbereitet. Dazu werden kleine Stücke aus einem einjährigen Rebtrieb, mit einem Auge (Knospe) von der gewünschten Rebsorte abgeschnitten.     Einsetzen der Chips: Die vorbereiteten Chips werden dann in den T-Schnitt in der Rinde des Rebstamms eingesetzt. Der Chip wird so platziert, dass das Auge nach außen zeigt und die Rinde des Chips mit der Rinde des Stammes gut verbunden ist. Fixierung: Nachdem die Chips eingesetzt wurden, werden sie mit Bast oder einem anderen geeigneten Material fest am Stamm befestigt, um sicherzustellen, dass sie an Ort und Stelle bleiben und eine gute Verbindung hergestellt wird.   Wachstum und Pflege: Nachdem die Chips erfolgreich eingepfropft wurden, beginnen sie zu wachsen und sich mit dem Stamm zu verbinden. Es ist wichtig, die gepfropften Pflanzen sorgfältig zu pflegen und zu überwachen, um sicherzustellen, dass sie gut anwachsen. Hört sich einfach an, jedoch gehört dazu viel Erfahrung und vor allem jede Menge Fingerspitzengefühl für die Rebstöcke.  Alles gut angewachsen. Rebstock, mehrere Monate nach der Grünveredlung. So ist das Chip-Budding-Verfahren eine effektive Methode zur Grünveredelung, vor allem natürlich bei uns im Steillagenkollektiv, im terrassierten Weinbau. Hier ist die Rodung, also die Entfernung der Reben und der Rebwurzeln, die Neupflanzung mit dem Ausheben der Pflanzlöcher und das Angießen besonders aufwändig und harte Arbeit, da kein Maschineneinsatz möglich ist. Zu dem sind neu gepflanzte Reben sehr anfällig gegenüber Trockenheit und müssen bei Bedarf bewässert werden können. Auch hier sind wir in den Terrassen sehr eingeschränkt. Die „alten“ Reben haben ein großes und belastbares Wurzelwerk. So haben unsere Wengerter eine gute Möglichkeit die Zukunftsfähigkeit der Kulturlandschaft mit neuen und robusten Rebsorten auf den bestehenden Rebstöcken zu verbessern. Veredlungsstelle und Rebschnitt nach einem Jahr. Wir haben natürlich einen passenden Wein für das Reben-Upgrade, einen trockenen NOVUM Souvignier Gris.
Die Winterruhe im Weinberg
Rebschnitt

Die Winterruhe im Weinberg

Winterruhe, auch Saftruhe, Vegetationsruhe oder Winterstarre genannt ist ein wichtiger Teil im jährlichen Vegetationszyklus der Weinrebe. Es wird darunter die absolute Ruhezeit der Pflanze zwischen dem Blattfall im Herbst bis zum Austrieb im Frühjahr verstanden. Zu dieser Zeit ruht der Saft- und Energiefluss von den Wurzeln zu den Trieben und umgekehrt. Das ist der ideale Zeitpunkt für den Rebschnitt, mit dem der nächste Vegetationszyklus eingeleitet wird. Die Winterruhe umfasst auf der nördlichen Halbkugel den Zeitraum von Dezember bis Februar, sowie auf der südlichen Halbkugel von Juni bis August. Das Wachstumsphase beginnt dann wieder mit der Knospenschwellung und dem Austrieb.  Was passiert eigentlich alles bei der Winterruhe im Weinberg? Die Winterruhe ermöglicht den Reben, sich von der vorherigen Vegetationsperiode zu erholen und Energie für das kommende Jahr zu sammeln. Nach dem Herbst – dem Ende der Reifephase, entziehen die Reben auch den Blättern alle Nährstoffe und speichern diese in ihren Wurzeln.  Hierzu auch ein kurzer Rückblick in die Phase wo noch Trauben und Blätter am Rebstock waren. Die Umwandlung von Zucker in Stärke bei der Weinrebe findet während des Reifungsprozesses der Trauben statt. Zu Beginn der Reifeperiode enthalten die Trauben hauptsächlich Zucker, der für den süßen Geschmack verantwortlich ist. Im Laufe der Reifung wandelt die Weinrebe jedoch einen Teil dieses Zuckers in Stärke um. Der Zeitpunkt dieser Umwandlung variiert je nach Rebsorte und klimatischen Bedingungen. In der Regel beginnt die Umwandlung von Zucker in Stärke gegen Ende des Sommers oder zu Beginn des Herbstes, wenn die Trauben ihre volle Reife erreichen. Dieser Prozess wird als "Stärkeaufbau" bezeichnet. Der Nutzen dieser Umwandlung liegt darin, dass die Stärke als Energiespeicher für die Pflanze dient. Während des Winters, wenn die Weinrebe in ihre Ruhephase eintritt, kann sie auf diese gespeicherte Energie zurückgreifen, um im nächsten Frühjahr wieder auszutreiben und zu wachsen.  Die Winterruhe bietet unseren Steillagenwengertern nicht nur die Möglichkeit den Rebschnitt durchzuführen sondern auch  die kommende Saison zu planen. Sie können Ernteergebnisse analysieren, Entscheidungen bezüglich Begrünung, Bodenpflege, Düngung, Pflanzenschutz und anderen wichtigen Aspekten des Weinbaus, wie zum Beispiel Trockenmauerrestaurierung, zu treffen und den Weinberg für das kommende Jahr vorbereiten.  Somit ist sie entscheidend, um die Gesundheit der Reben zu erhalten, den Boden zu pflegen und den Weinberg für eine erfolgreiche Vegetationsperiode vorzubereiten. Zur Winterruhe passen gut gereifte Weine wie unsere Meisterwerke oder zwischendurch auch gerne mal ein heißer Glühwein 
Der biologische Säureabbau
Apfelsäure

Der biologische Säureabbau

Es gibt viele verschiedene Säuren in Wein. Die präsentesten sind die Weinsäure und die Apfelsäure. Die Apfelsäure empfinden wir als sauer und spitz und bemerken diese an unserer Zungenspitze. Eher die unreife Säure. Die Weinsäure ist eher rund und im gesamten Gaumen präsent. In den 90er Jahren wurden noch fast alle Weine entsäuert, um sie harmonischer zu machen. Hier wurde mit kohlensaurem Kalk entsäuert, sprich die Weinsäure wurde ausgefällt. Die Weine wurden schlanker und dadurch dünner und die spitze Apfelsäure verblieb im Wein. Seit vielen Jahren macht man in der Kellerwirtschaft wieder den biologischen Säureabbau, kurz BSA. Dies ist ein natürlicher Prozess, bei dem Milchsäurebakterien (Oenococcus oeni) die in Wein vorhandene Apfelsäure in Milchsäure umwandeln. Dies findet normalerweise nach der alkoholischen Gärung statt und wird auch als malolaktische Gärung bezeichnet. Oenococcus oeni ist eine Milchsäurebakterie, die in der Lage ist, Apfelsäure in Milchsäure umzuwandeln. Sie nutzen die Äpfelsäure als Energiequelle und produzieren dabei die cremigere Milchsäure und Kohlensäure. Oenococcus oeni kommt natürlicherweise in Weinbergen und Weinkellern vor. Bild: Lallemand - aktive Oenococcus Oeni Die Bakterien können unerwünschte Mikroorganismen hemmen und tragen somit zur Stabilisierung des Weins bei. Sie können auch bestimmte Aromaverbindungen abbauen oder erzeugen, was zu Veränderungen im Aromaprofil des Weins führt. Der biologische Säureabbau erfordert eine sorgfältige Kontrolle durch unser Kellerteam. Eine ständige Verkostung ist sehr wichtig. Ebenso werden die analytischen Werte der Jungweine permanent kontrolliert, ob die Bakterien aktiv sind und ihre „Arbeit“ machen, da sie sehr empfindlich gegenüber Temperaturänderungen, Sauerstoff und niedrigen pH-Werten regieren. Sensorische Auswirkungen des Säureabbaus sind eine Verbesserung der Geschmacksbalance. Hier die wichtigsten Auswirkungen für uns im Weinglas: Weichere Säure: durch die Umwandlung von Apfelsäure in Milchsäure wird der Gesamtsäuregehalt des Weins verringert. Dadurch schmeckt der Wein weicher und weniger sauer. Die scharfe, beißende Äpfelsäure wird abgemildert und der Wein erhält eine angenehmere Textur im Mund. Verbesserte Geschmacksbalance: ein hoher Säuregehalt kann den Geschmack eines Weins unausgewogen machen. Durch den biologischen Säureabbau wird die Säure reduziert und der Wein erhält eine bessere Balance zwischen Süße, Säure und anderen Aromen. Dadurch können sich die verschiedenen Geschmackskomponenten besser entfalten und harmonisieren. Veränderung des Aromaprofils: der biologische Säureabbau kann auch zu Veränderungen im Aromaprofil des Weins führen. Durch die Umwandlung von Apfelsäure in Milchsäure können sich neue Aromen entwickeln oder vorhandene Aromen verstärkt werden. Dies kann dazu führen, dass der Wein komplexer und nuancierter im Geschmack wird. Cremigkeit: Milchsäure hat eine cremige Textur, die dem Wein eine gewisse Fülle verleihen kann. Durch den biologischen Säureabbau kann der Wein daher eine leicht cremige Note erhalten, die das Mundgefühl verbessert. Der Wein zum Säureabbau ist unser Spätburgunder Meisterwerk. Der Spätburgunder verlangt bereits im Weinberg dass man ihn ständig betreut, sonst ist er "beleidigt". Solche eine intensive Betreuung mag er auch bei Ernte, Kelterung und Vergärung. Die größte Herausforderung für das Kellerteam ist jedoch die Betreuung des Säureabbaus. Hier zeigt er die größten Veränderungen und immer wieder alle Seiten seiner ausgeprägten Persönlichkeit.
Der erste Abstich - ein wichtiger Schritt für die Weinqualität
Ablassen

Der erste Abstich - ein wichtiger Schritt für die Weinqualität

Im Moment wird im Keller der Wein abgelassen. Der Kellermeister bezeichnet dies auch als den "ersten Abstich". Beim ersten Abstich wird der Wein von der Hefe getrennt, die sich während der Gärung am Boden des Fasses oder Tanks abgesetzt hat. Dieser Vorgang wird auch als "Abziehen" bezeichnet. Der Wein wird dabei in ein anderes Fass umgefüllt, wodurch er an Klarheit gewinnt und stabilisiert wird. Der erste Abstich ist ein wichtiger Schritt bei der Weinbereitung. Unser Kellerteam kann hiermit die Reifung, den Geschmack des Weines beeinflussen. Die Dauer des Kontakts mit der Hefe hat je nach Gärverlauf Auswirkungen auf den Jungwein. Nach dem ersten Abstich wird der Jungwein spundvoll gelegt, das heißt die Tanks werden ganz gefüllt, so dass kein Sauerstoffkontakt mehr stattfinden kann. Nun kann der Wein weiter reifen und sich entwickeln und wenn gewünscht, einen biologischen Säureabbau beginnen. Hierzu mehr im nächsten Blogbeitrag. Welche Dinge sind beim ersten Abstich zu beachten? Der Zeitpunkt des ersten Abstichs hängt von der Art des Weins und den individuellen Umständen ab. Er findet normalerweise nach der Gärung statt, wenn sich Feststoffe wie Hefe und Trub am Boden des Behälters abgesetzt haben. Der erste Abstich dient dazu, den Wein von den abgesetzten Feststoffen zu trennen. Dies trägt zur Klarheit und vor allem Stabilität des Weins bei. Beim Abstich sollte man darauf achten, den Wein so schonend wie möglich zu behandeln, um Oxidation zu vermeiden. Dies bedeutet, den Wein langsam und ohne zu viel Bewegung umzufüllen. Während des ersten Abstichs prüft unser Kellerteam den Wein auch auf Herz und Nieren - also die analytischen Werte und sensorisch seinen Geruch und Geschmack. Je nach Ergebnis des ersten Abstichs wird entschieden, ob weitere Klärungsschritte notwendig sind, um die Weinqualität zu verbessern. Der genaue Prozess kann je nach Weinart, also Rotwein, Weißwein oder Rosé und individuellen Anforderungen variieren, aber der erste Abstich ist ein entscheidender Schritt, um einen klareren und stabileren Wein zu bekommen. Nach dem ersten Abstich ist eine umfangreiche Reinigung der Tanks angesagt: Unser ausdrucksstarker, diskussionsfreudiger 401 Rosé trocken. passt gut zum Thema.
Der optimale Reifezeitpunkt für die Weinlese

Der optimale Reifezeitpunkt für die Weinlese

Den optimalen Reifezeitpunkt für die Weinlese zu bestimmen, erfordert Erfahrung und Fachwissen. Hier sind einige Faktoren für die Entscheidung:  Zucker- und Säuregehalt: Der Zucker- und Säuregehalt der Trauben spielt eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Reifezeitpunkts. Während der Reifung steigt der Zuckergehalt in den Trauben an, während die Säure abnimmt. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Zucker und Säure ist wichtig für die spätere Qualität des Weins.  Geschmacksprobe: Eine Geschmacksprobe der Trauben kann ebenfalls Aufschluss über den Reifezustand geben. Was gut schmeckt gibt auch einen guten Wein. Die Trauben sollten süß und vor allem aromatisch schmecken, ohne zu sauer zu sein. Eine übermäßige Säure kann auf eine unreife Traube hinweisen.  Phenolische Reife: Neben dem Zucker- und Säuregehalt ist auch die phenolische Reife der Trauben wichtig. Phenole sind Verbindungen, die für die Farbe, den Geschmack und die Struktur des Weins verantwortlich sind. Die Trauben sollten ausreichend phenolisch reif sein, um die gewünschten Eigenschaften im Wein zu erzeugen. Ebenso beurteilt man die Farbe der Kerne, sie sollten eher braun sein. Grüne Kerne deuten auf unreife Phenole hin. Die Beobachtung der Farbe der Traubenbeeren selbst: Nicht nur die Farbe der Trauben ändert sich ständig, wenn sie reifen. Die Beeren sollten auch weich und der Saft sollte, wenn man sie mit den Fingern quetscht leicht aus der Beere austreten.  Wetterbedingungen: Die Wetterbedingungen während der Reifephase beeinflussen natürlich den Erntezeitpunkt am stärksten. Eine längere Periode mit warmem und vor allem sonnigem Wetter führt zu einer schnelleren Reifung, während kühles und feuchtes Wetter die Reifung verzögern kann. Gesunde Blätter für eine ausreichende Assimilation sind jetzt wichtig. Die Witterung kurz vor und während des Herbstes hat den größten Einfluss auf die Qualität. Nicht wie man oft vermutet die Witterung im Sommer. Es ist wichtig, all diese Faktoren zu berücksichtigen und regelmäßig Proben zu nehmen, um den optimalen Reifezeitpunkt zu bestimmen.
Statt Picknick an der Enz - Grüne Lese im Rebenmeer
Blatt - Fruchtverhältnis

Statt Picknick an der Enz - Grüne Lese im Rebenmeer

Im Hochsommer, wenn uns nur noch ein sommerliches Picknick an der Enz Erfrischung verheißt, begibt sich der Wengerter zur grünen Lese. Dabei handelt sich um eine schweißtreibende und zeitaufwändige Handarbeit. Weniger der erforderliche Kraftaufwand als vielmehr die Augusthitze sorgen für Schweißperlen auf der Stirn. Und das für etwa ein bis zwei oder sogar bis zu vier Stunden je Terrasse. Der Behang jedes Rebstocks muss begutachtet und eventuell korrigiert werden. So sind viele sonnenerprobte Helfer gefragt, die in das Reben- bzw. Traubenmeer eintauchen. Es gilt, dieses auszulichten. Denn allzu viele Rebstöcke tragen mehr Trauben als der Qualität zuträglich ist, zumal eine gesetzliche Hektarhöchstertragsregelung die Erntemenge ohnehin begrenzt.  Voller Behang vor der grünen Lese, zwei bis drei Trauben je Trieb Problemkinder sind unter anderem die ertragsstarken Junganlagen und manche, für ihre Wuchskraft einschlägig bekannten Rebsorten wie der Trollinger. Wie viele grüne Trauben abgeschnitten werden – im Extremfall bis zur Hälfte des Behangs – hängt auch vom Jahrgang, insbesondere vom Verlauf der Rebblüte, und vom Standort, insbesondere vom Boden des Weinbergs, ab.  Entlasteter Stock, ein Trauben je Trieb Zielvorgaben sind eine Reduzierung des Ertrags auf einen Wert zwischen 50 und 100 hl/ha, meist deutlich unterhalb der weinrechtlich erlaubten Höchstmengen, und eine damit verbundene Qualitätssteigerung - ablesbar an den Oechslegraden und Extraktwerten, bei Rotweinen auch an einer besseren Färbung. Ziele sind auch eine Optimierung des Frucht-Blatt-Verhältnisses auf etwa 1:7 und eine bessere Resistenz des Rebstocks gegen Wassermangel. Kurzum: Die grüne Lese entlastet den Rebstock. So kann er bis zur herbstlichen Weinlese seine ganze Energie für die verbliebenen Trauben einsetzen. In welchen Weinbergen eine grüne Lese vorgenommen wurde, verrät ein Blick auf den Weinbergboden. Hier liegen die nach dem Aschenputtel-Prinzip abgeschnittenen Trauben, die für viele Liter Wein, aber eben nicht in Premiumqualität, gesorgt hätten. Letztere lässt sich im Übrigen nochmals durch das mittige Teilen der verbliebenen Trauben verfeinern. Apropos Aschenputtel: Je näher die Trauben am Rebstock und damit an die Hauptversorgungsleitung angeschlossen sind, desto eher dürfen sie hängenbleiben. Weg kommen vor allem die Trauben an den Seitentrieben, die zu dicht Hängenden, die zu spät ausgetriebenen oder auch die von Schädlingen angegriffenen. So erfordert die perfekte grüne Lese durchaus Erfahrung. Unsere Weinempfehlung zur grünen Lese: NOVUM Cabernet Blanc trocken    
Laubarbeiten im Weinberg
Ausbrechen

Laubarbeiten im Weinberg

Die Laubarbeiten wie Ausbrechen, Teilentblätterung der Traubenzone, Heften der einjährigen Triebe, Gipfeln und Laubschneiden sind ein wesentlicher Beitrag zur Sicherstellung einer optimalen Qualität und Gesunderhaltung der Trauben. Das Ziel ist eine lockere, luftige und schnell abtrocknende Laubwand mit optimaler Positionierung der Trauben zur Ausreife und Farbausbildung. Ausbrechen von Trieben Als erste Maßnahmen haben bereits vor der Rebblüte stattgefunden. Um die heranwachsende Laubwand zu optimieren, bietet sich das Ausbrechen von Trieben an. Das Ausbrechen vor der Blüte führt zu einer besseren Laubwandgestaltung mit gleichmäßigem Wuchs der einzelnen Triebe sowie besserer Besonnung der Gescheine und Fruchtansätze. Durch ein gezieltes Ausbrechen kann einem späteren kostenintensiven Ausdünnen vorgebeugt werden. Generell sollten neben den "Wasserschossen" sämtliche Doppeltriebe (Burgundersorten) sowie schwachwüchsige Kümmertriebe entfernt werden. Bei Sorten mit kurzen Internodien sollte ein Triebabstand von zehn Zentimetern angestrebt werden (eine Handbreite). In der Traubenzone sollte jegliche Verdichtung verhindert werden, da diese Krankheiten begünstigt. Anzustreben sind acht bis zehn Triebe je laufenden Meter Rebzeile. Somit erhält man eine lockere Laubwandstruktur mit gleichmäßig im Drahtrahmen verteilten Langtrieben. Gleichzeitig mit dem Ausbrechen sind bei sehr fruchtbaren Sorten die jeweils dritten Gescheine zu entfernen. Ein zeitgerechtes Aufbinden/Heften wird dadurch wesentlich erleichtert. Schlanke, 1,40 Meter hohe, gut belichtete Laubwände sind anzustreben und vorteilhaft, da es zu einer größeren Assimilationsleistung kommt. Diese wiederum führt zu einer besseren Ausreife und Aromabildung der Trauben. Laubschnitt Der Laubschnitt bzw. das erste Wipfeln/Gipfeln sollte etwa 10 bis 14 Tage nach der Blüte erfolgen. Ein zu frühes Entspitzen führt zu dichteren Trauben, höheren Erträgen und geringerer Qualität. Ziel des Laubschnitts ist ein optimales Blatt-Fruchtverhältnis. Je nach Sorte sind acht bis 10 Haupttriebblätter pro Traube erforderlich. Die jungen Geiztriebblätter sind nur gering einzukürzen, da sie eine wertvolle Assimilationsquelle darstellen. Dies erfordert auch ein langes Gesunderhalten dieser Blätter. Eine zu starke Entblätterung der Traubenzone kann zu deutlichen Qualitätseinbußen führen. Die Assimilationsleistung wird stark reduziert und damit die Fruchtausbildung, Zuckereinlagerung und Ausfärbung der Trauben gehemmt. Bei einer moderaten Entblätterung werden die Trauben ausreichend belichtet. Dabei kommt es in den Beeren verstärkt unter der Beerenschale zur Bildung wertvoller Aroma-, Farb- und Gerbstoffe. Die moderate Entfernung von ein bis zwei Blättern pro Trieb circa 14 Tage nach der Blüte verbessert das Kleinklima, die Abtrocknung und Belüftung der Beeren und begünstigt eine frühzeitige Adaption an wärmere Temperaturen und Sonnenschein. Durch diese natürliche Gewebeabhärtung wird einem Sonnenbrand sowie einem Botrytisbefall entgegengewirkt. Die Entblätterung der Traubenzone ist nur auf der sonnenabgewandten Seite (Ostseite) sinnvoll. Nur bei Rotweinsorten, insbesondere Pinot Noir, kann eine intensivere Entblätterung zur vollständigen Farbausbildung sinnvoll sein. Geiztrauben entfernen Geiztrauben sollten aus qualitativen wie auch pflanzenpflegerischen Gründen weitgehend entfernt werden. Diese nachwachsenden Trauben bilden eine ständige Gefahr für Krankheitsinfektionen insbesondere Oidium und Peronospora. Der perfekte Sommerwein, für die Pause im lichten Schatten im Weinberg nach den Laubarbeiten ist ein eiskalter Riesling trocken oder bei Euch auf der Terrasse.
Rebbluete im Lembergerland
Blühende Weinberge

Die Rebblüte

Der Duft im Weinberg ist betörend. Immer der Nase nach. Überall duftet es üppig, leicht nach Honig und hellen Früchten. Eine tolle Jahreszeit für einen inspirierenden Abendspaziergang durch die Weinberge. Mit dem Blühen springt diese Schutzkappe ab und es erscheinen fünf Staubgefäße mit dem Stempel, gut sichtbar in der Mitte des Bildes. Das ist auch schon alles! Die Rebe bestäubt sich selbst, was mit dem Aufspringen geschieht. Der Stempel oder Fruchtknoten, jetzt noch etwa Stecknadelkopf groß, wächst dann heran und bildet eine Beere. Dies kann jedoch erst bei gemäßigten, zweistelligen Nachttemperaturen passieren. Alle Blüten gemeinsam an einer Rispe werden auch als Geschein bezeichnet. Wie viele Gescheine ein Weinstock hat, hängt davon ab, wie dieser den Winter überstanden hat oder auch wie die Nährstoff- und Wasserversorgung im Vorjahr war und zu guter Letzt -  wie viele Gescheine er mit dem Frühjahrsaustrieb angesetzt hat. Aber schon mit und nach der Blüte lassen sich erste Aussagen treffen, ob die Voraussetzungen für einen guten Jahrgang gegeben sind. Denn es kommt darauf an, ob die selbst bestäubten Fruchtknoten auch wirklich zu Beeren heranwachsen oder schon rasch nach der Blüte abfallen. Der Wengerter nennt dieses Abfallen verrieseln. Der Name Riesling soll daher kommen, als eine Sorte die entsprechend anfällig ist. Durch Weiterzüchten robuster Stöcke ist der Riesling heute allerdings weniger empfindlich. Wünschenswert ist warmes, trockenes Wetter. „Wenn der Wengerter während der Blütezeit nachts unter dem Weinstock schlafen kann, wird’s richtig“, sagt eine alte Wengerter-Regel. Dann ist ein Weinberg in wenigen Tagen durchgeblüht. Ist es jedoch kalt und nass, zieht sich die Blüte länger hin und die Verluste durch Verrieseln werden deutlich stärker. Allerdings, allzu heiß und allzu prallsonnig sollte es auch nicht sein, dann macht der Weinstock nämlich „hitzefrei“, was auch zu gewissen Verrieselungen führen kann. Dies als eine kleine Perspektive aus der Sicht unserer Wengerter während der Blüte. Unsere Weinempfehlung zur Weinblüte ist unser lässiger ROSS Rosarot 
Pflege und Aufzucht von Jungreben
Blatt-Wurzel-Verhältnis

Pflege und Aufzucht von Jungreben

"Über die Entwicklung der Jungreben entscheidet die Güte der Pfropfreben, die Sorgfalt der Pflanzung und vor allen Dingen die Pflege im ersten Jahr." Was ist alles zu tun? Frisch gepflanzt, kurz vor dem Austrieb. Hier sieht man noch gut die Wachsschicht die die Veredlungsstelle zwischen Wurzelrebe und Edelrebe schützt. Früher beließ man zwei bis drei Triebe, heute lässt man in der Regel nur einen Trieb stehen. Edelreben werden daher von den vielen Trieben, die sich auf dem Pfropfkopf entwickeln, alle bis auf einen Treib ausgebrochen. Warum macht man das? Durch diese Maßnahme wird das Längenwachstum des einen Triebes so gefördert, dass im nächsten Frühjahr meistens schon auf Stammhöhe angeschnitten werden kann. Dies ergibt einen schönen geraden Stamm aus einem Stück, der es ermöglicht, früh Fruchtholz anschneiden zu können. Das Ausbrechen auf einen Trieb erfolgt so früh wie möglich. Sobald die ersten Triebspitzen die Abdeckschicht durchstoßen, beginnt man mit der Arbeit. Das Abdeckmaterial wird vorsichtig mit den Fingern entfernt und alle Triebe, die sich am Pfropfkopf zeigen, werden bis auf einen entfernt. Man lässt nur denjenigen stehen, der sich aus dem Achselauge entwickelt, weil dieser die senkrechte Verlängerung der Wurzelstange darstellt und später einen völlig geraden Stamm ergibt. Es wird also nicht der Trieb belassen der bereits am längsten ist, sondern der, der den günstigsten Stamm ergibt. Unsere Weinempfehlung für den Ausflug zum "Jungfeld": ROSS Blanc de Noir