Ein Blick in den Weinkeller: Wenn der junge Wein Form annimmt
Wer derzeit in unseren Keller kommt, spürt sofort diese besondere Mischung aus Ruhe, Konzentration und feiner Spannung. Es ist die Phase im Jahr, in der der Wein langsam seinen Charakter ausbildet – fernab der Weinberge, im gedämpften Licht unseres Kellers.
Der erste Abstich – der Moment, in dem Klarheit entsteht
Nach der Gärung liegt der Wein zunächst auf der Grobhefe. Diese Hefe hat ihre Arbeit getan, doch wenn sie zu lange im Kontakt bleibt, kann sie den Wein beschweren.
Darum erfolgt jetzt der erste Abstich: Der junge Wein wird vorsichtig vom Hefedepot getrennt und in ein neues Fass oder einen Tank überführt. Das schafft Klarheit – im wörtlichen wie im geschmacklichen Sinn. Der Wein wird präziser, frischer, bekommt wieder Raum zum Atmen.
Feinhefelagerung – wenn Geduld zur Textur wird
Nach dem Abstich beginnt die Phase der Feinhefelagerung. Diese feinen Hefepartikel bleiben bewusst im Wein zurück. Sie sind es, die später für Schmelz, Saftigkeit und eine besonders zarte Textur sorgen.
Während der Lagerung zerfallen die Hefen langsam und setzen wichtige Stoffe frei – darunter Mannoproteine, die wie ein natürlicher Weichzeichner wirken:
Sie runden die Gerbstoffe ab, bringen mehr Balance und verleihen dem Wein diese cremige, dichte Struktur, die man beim Lemberger so liebt.
Farbstabilisierung – ein Tanz aus Tanninen und Pigmenten
Parallel dazu läuft ein weiterer wichtiger Prozess: die Stabilisierung der Farbe.
Die natürlichen Farbstoffe der Traube verbinden sich zunehmend mit den Gerbstoffen des Weins. Dadurch wird die Farbe nicht nur intensiver, sondern auch dauerhafter. Aus leuchtendem Violett entsteht jene dunkle, kirschige Tiefe, die unseren Lemberger auszeichnet.
Beginnender biologischer Säureabbau – die sanfte Verwandlung
Nun setzt außerdem der biologische Säureabbau ein. Das bedeutet: Milchsäurebakterien wandeln einen Teil der kantigen Apfelsäure in sanftere Milchsäure um. Der Wein wird runder, harmonischer und gewinnt an Ruhe.
Dieser Prozess läuft ohne Eile – er braucht Wärme, Zeit und die wachsame Hand unserer Kellermeister.
Stabilität und Balance – der Weg zur inneren Ruhe
All diese Schritte haben ein gemeinsames Ziel: Stabilität.
Der Wein soll sich setzen, seine Bestandteile sollen zueinanderfinden. Er wird klarer, ruhiger und belastbarer – bereit für weitere Reife, späteres Filtrieren und schließlich die Abfüllung.
Im Keller entsteht in diesen Wochen das Fundament für die spätere Stilistik: Eleganz, Struktur und das Zusammenspiel zwischen Frucht, Würze und feiner Gerbstoffkraft.


